Bio-Traube oder Bio-Wein? Welcher Begriff ist richtig?

Man kann daher nur von Wein sprechen, der aus biologisch angebauten Trauben hergestellt wird, und nicht von Bio-Wein. Deshalb.


Antonio Camera
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Vini e uve

Die europäische Gesetzgebung sieht noch keine Produktionsvorschriften für Biowein vor, obwohl darüber schon lange diskutiert wird. Heute kann der Verbraucher daher einen Wein aus biologisch angebauten Trauben kaufen, der, auch wenn der Vinifizierungsprozess noch unvollständig geregelt ist, eine umweltfreundliche Anbauweise der Weinberge sicherstellt und vor allem den Weinen mehr Ausdruckskraft verleiht.

Man kann daher nur von Wein aus biologischen Trauben sprechen, aber nicht von Biowein.

Biowein existiert nicht.

Beim biologischen Weinbergmanagement werden jedoch viele Substanzen ausgeschlossen, die neben der Qualitätsverschlechterung der Trauben diese auch entstellen, das heißt sie vom Produktionsgebiet entfremden.

In biologischen Weinbergen dürfen keine chemischen Herbizide verwendet werden, was nicht nur das Leben im Weinberg fördert, sondern auch eine radikale Konkurrenz an den Wurzeln schafft, die oft zu einer günstigen, spontanen Reduktion der Erträge pro Hektar und damit zu besserer Qualität führt.

Es dürfen keine endotherapeutischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden (die in die Pflanze eindringen), wodurch deren mögliche Rückstände in den Beeren vermieden werden, insbesondere werden schädliche chemische Insektizide vermieden.

Ein wichtiger Aspekt ist auch der Verzicht auf chemische Düngemittel. Diese Düngemittel auf Basis von Stickstoff, Phosphor e Kalium erzeugen kräftige, durstige Reben und immer zu wässrige, geschmacklose Trauben.

Der Landwirt, der diese Düngemittel verwendet, wird zunehmend abhängig von ihnen, da sie als einzige Quelle vermeintlicher Produktionsqualität gelten, tatsächlich aber geschmacklose Trauben erzeugen, die anfälliger für Parasitenbefall sind, welche gut genährte und schlecht belüftete Pflanzen bevorzugen.

Alles, was dem Weinberg (und auch dem Wein) hinzugefügt wird, wird in Wirklichkeit genommen!!

Es wird die wichtige Verbindung des Weinbergs, der Traube und somit des Weins zum Produktionsgebiet genommen, was deren Einzigartigkeit und Typizität mindert.

Auch die Klonselbstung der Weinberge, also die Verwendung von Rebsorten, die einer klonalen Selektion unterzogen wurden, trägt dazu bei, ebenso wie die Verwendung sogenannter internationaler Rebsorten zulasten der autochthonen und somit einzigartigen Sorten.

Nicht zuletzt führt der Erhalt der Weingartenlandschaften in der biologischen und biodynamischen Landwirtschaft zu einem umfassenderen Landschaftsbild, da auf praktische Notwendigkeit hin die zu intensive Entwicklung des Weinbergs vermieden wird, Platz für andere Kulturen und insbesondere für Waldflächen geschaffen wird, die als Quelle für Insekten und Vögel dienen, welche für die biologische Schädlingskontrolle unerlässlich sind. Wären die Weinbaugebiete stärker biologisch und biodynamisch bewirtschaftet worden, würden sie kaum wie unzählige Reihen Weinberge zwischen Autobahnausfahrten aussehen, wie es in einigen Regionen bekannter italienischer DOC-Weine der Fall ist.

Paesaggio vinicolo italiano - Foto di Jörg Peter
Italienische Weingartenlandschaft – Foto von Jörg Peter

Biologische und biodynamische Landwirtschaft

Die biologische und biodynamische Landwirtschaft reduziert den Ertrag pro Hektar erheblich, vermeidet Überproduktionen, Überschüsse und daraus resultierende Lagerbestände sowie Preisverfälle.

Der Wettlauf nach hoher Produktion hat dazu geführt, dass historisch hügelige Weinbaugebiete auf sehr fruchtbare und wenig geeignete Ebenen ausgeweitet wurden, internationale Sorten zur Qualitätsverbesserung eingeführt wurden, die Qualität infolge steigender Produktion der autochthonen Sorten verloren hatte. All dies hat zu immer wässrigeren, entstellten, seelenlosen Weinen geführt, die vor allem ihre Verbindung zum Herkunftsgebiet verloren haben und daher anfälliger für Konkurrenz sind, da sie standardisiert sind.

Die Qualität der biologisch und biodynamisch angebauten Trauben ist deutlich höher als bei konventioneller Landwirtschaft, doch das reicht nicht aus, da beim Vinifizierungsprozess die Verbindung zum Herkunftsgebiet und all das, was mühsam im Weinberg erhalten wurde, verloren gehen kann.

Da es keine Vorgaben für die Vinifizierung von Biowein gibt, finden sich auf dem Markt oft Weine von schlechter Qualität oder solche, die sehr industriell hergestellt wurden und jegliche Bindung an das Herkunftsgebiet verloren haben.

Es braucht wenig, um einen Wein zu verderben: der Einsatz von selektierten Hefen, vor allem stark aromatischen, der Gebrauch von Extraktionsenzymen, von Wein-Tanninen verschiedener Art und Geschmacksrichtungen, unbedachter Einsatz von Schönungsmitteln (Gelatine, Casein, Bentonit etc.), von Holzchips mit verschiedenem Geschmack und Aroma, unzureichende Filterungen, die den Wein nicht schützen, und nicht zuletzt hohe Mengen an Schwefeldioxid. Deshalb sind einige Bewegungen des “Naturweins” entstanden.

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